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Aktuelles

14. Januar 2020

Lokaltermin

Berlinische Galerie

Ein Besuch in der Sonderausstellung zu Fritz Eschen.

Fotos: Volker Hohlfeld

 

Der DJV-Lokaltermin führte uns in die Berlinische Galerie, genauer: in die Kabinettsausstellung zum Schaffen des Fotografen Fritz Eschen. Eschen, Jahrgang 1900, hatte 1928 begonnen, als Bildreporter zu arbeiten, konnte als Jude nach '33 seine Arbeit nur noch im allerengsten Umfang fortführen.Obwohl auch in der Nazi-Zeit Bilder von ihm - oft unter Verschweigen seiner Autorenschaft - veröffentlicht wurden, war eine regelmäßige Arbeit nicht mehr möglich. Die USA lehnten seinen Visa-Antrag ab. An der Jüdischen Hochschule Potsdam konnte er bis 1941 noch unterrichten, später musste er Zwangsarbeit leisten. Anders als seine erste Frau und der Sohn aus erster Ehe entkam er der Vernichtung, da er mit einer "Arierin" verheiratet war.

 

Nach der Krieg nimmt er die Tätigkeit als Fotograf und Bildreporter wieder auf. Er unterzeichnet im Juli 1948 den Aufruf zur Gründung eines vom kommunistisch majorisierten FDGB unabhängigen Journalisten- bzw. Presseverbandes - gemeinsam mit beispielsweise Paul Löbe und Annedore Leber.

 

Fortan engagiert sich Eschen in diesem Verband, der nach einiger Zeit den Namen Journalistenverband Berlin (JVB) annimmt. Er wirkt im Aufnahmeausschuss mit und trägt zur Diskussion um das Berufsbild bei. Einen Beitrag in den Verbandsmitteilungen leitet er 1951 mit den Worten ein: "Wir deutschen Bildreporter müssen im Gegensatz zu unserern ausländischen Kollegen heute noch die Erfahrung machen, dass wir als eine Art journalistisches Anhängsel betrachtet werden, dessen Ebenbürtigkeit immer wieder, mehr oder weniger offenkundig, bezweifelt wird." Dieser Geringschätzung der Fotografen trat er mit einem Bekenntnis zum Bildreporter als Journalist entgegen.

 

Unsere Führung durch Hanna Vogel von der Berlinischen Galerie konnte aus erster Händ ergänzt werden von Klaus Eschen, Sohn des Fotografen, der an die Zeiten erinnerte, als die Familie in einer Hinterhofwohnung mit Labor an der Bundesallee "von der Hand in den Mund" lebte.