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31. Oktober 2014

Diskussion

"Wer braucht freie Journalisten?"

"Wer braucht freie Journalisten?“ hieß die Diskussionsrunde, zu der das Fachforum Freie am Montagabend die Mitglieder von JVBB und DJV Berlin eingeladen hatte. Kernthema war die schlechter werdende Auftragslage der meisten Freien.

Matthias Thiel (DLR), Lutz Meier (FF Freie), Tom Levine (Kircher Burkhardt), Foto: Frank M. Wagner

Durch die Diskussion mit zwei Gästen aus öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Corporate Publishing führte Lutz Meier. Meier war von Mitgliedern des JVBB zuvor zum neuen Vorsitzenden des JVBB-Fachforums Freie (früher: „Fachausschuss“) gewählt worden. Seine Stellvertreter wurden Timo Kather und Andrea Westhoff.

Meier erklärte zu Beginn der Diskussion, dass man das Thema auch „Wer braucht überhaupt noch Freie?“ hätte benennen können. Dennoch stellte sich die Situation im Verlaufe der Gesprächsrunde als nicht ganz so negativ dar. Matthias Thiel, Redakteur und Personalrat beim Deutschlandradio, betonte jedenfalls, dass Freie für die Erstellung des Programms immer mehr gebraucht würden - sowohl feste Freie, als auch solche, die nicht regelmäßig am Programm mitarbeiteten: „Ohne freie Mitarbeiter würden wir gar kein Programm mehr machen können.“ Aufgrund des bundesweiten Sendegebiets und starker Fluktuation sei auch der Anteil neuer freier Mitarbeiter durchaus hoch.

Tom Levine, der als Chefredakteur der Corporate Publishing-Agentur KircherBurkhardt ebenfalls Auftraggeber für Freie ist, berichtete, er erhalte pro Woche etwa ein halbes Dutzend Bewerbungen. 

Sowohl Thiel als auch Levine betonten, dass Freie ihre journalistischen Fähigkeiten hinsichtlich gründlicher Recherchearbeit bereits in ihrer Bewerbung dokumentieren sollten. „Dazu gehört, dass man das Programm kennt und weiß, wie einzelne Sendungen aussehen“, so Thiel. „Nur dann kann man ein Themenangebot sinnvoll und beim richtigen Ansprechpartner platzieren.“. Levine ergänzte: „Wenn ich in der Bewerbung sehe, dass schon mein Name falsch geschrieben wird, dann müssen wir davon ausgehen, dass der Kandidat auch bei seiner Arbeit für unsere Kunden ähnlich ‚gründlich‘ vorgehen könnte“.

Insgesamt wiesen Thiel und Levine darauf hin, dass freie Mitarbeiter grundsätzlich auf die exakte Einhaltung von Abgabefristen achten sollten. Sei dies einmal nicht möglich, so solle sich der entsprechende Freie bereits frühzeitig mit seinem Ansprechpartner in der Redaktion zusammensetzen und mit diesem gemeinsam nach einer Lösung suchen. Überhaupt sei eine regelmäßige und sehr offene Kommunikation zwischen dem Auftragnehmer und dem Auftraggeber wichtig: „Besser etwas mehr als zu wenig“, sagte Levine. Auch eine gesunde Kritikfähigkeit werde von den Freien nach wie vor erwartet.

Die Redaktionen in Journalismus und PR zögen zudem Bewerberprofile mit einer thematischen Spezialisierung dem Anbieter mit großem Bauchladen und möglichst vielen Einsatzgebieten oft vor.

Bewerber sollten auch neuen Anforderungen Rechnung tragen. So seien etwa Themen, die vor 10 Jahren aktuell gewesen wären, heute vielleicht nicht mehr marktrelevant.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Mitglieder von JVBB und DJV Berlin Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. Dabei kam auch die Abgrenzung von Journalismus und PR zur Sprache, nachdem einige Anwesende äußerten, sich aufgrund der schlechten Auftragslage inzwischen auf beiden Feldern tummeln zu müssen. Zwar gebe es in den letzten Jahren einige Grenzverschiebungen in diesem Bereich. Dennoch waren sich Podium und Publikum einig, dass Freie einen in diesem Bereich auftretenden Interessenkonflikt stets transparent lösen müssten, um eine Vermischung vermeiden.

(31.10.2014) Frank M. Wagner