Die Nominierten 2017

Die Nominierten inklusive der Preisträger 2017 (Foto: Sabine Gudath/JVBB), es fehlten Jürgen Balitzki und Ulrich Kraetzer

 

Am 14. November wurden die Preisträger*innen unseres Journalistenpreises "Der lange Atem" 2017 ausgezeichnet:

1. Preis für Irène Bluche (rbb Kulturradio): Langzeitreportage "Mandy – ein Leben als Teenagermutter"

2. Preis für Kai Biermann (ZEIT Online): NSA-Untersuchungsausschuss

3. Preis für Klaus Hillenbrand (taz): Späte Ermittlungen gegen NS-Verbrecher

 

Die Vorjury hatte neun Kandidatinnen und Kandidaten für ihre langatmige Berichterstattung nominiert. Sie widmen sich mit Mut, Sorgfalt und Beharrlichkeit einem gesellschaftlich relevanten Thema über einen längeren Zeitraum und tragen es engagiert in die Öffentlichkeit tragen. Alle Nominierten und Preisträger im Überblick (Foto: Sabine Gudath/JVBB):

 

 

Sascha Adamek, Jo Goll, Ulrich Kraetzer, Susanne Opalka, Norbert Siegmund: Anis Amri – Pannen der Sicherheitsbehörden (rbb/Berliner Morgenpost)

Gleich nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz begannen sie mit ihrer hartnäckigen Recherche. In großer Detailtiefe und auch gegen juristische Widerstände haben sie haarsträubende Versäumnisse und Vertuschungsversuche der Behörden aufgedeckt.

 

Linktipps:

 

"Versagen der Behörden: Die unfassbare Geschichte des Scheiterns im Fall Anis Amri

(Berliner Morgenpost, 18.04.2017, 05:00 Uhr)

 

"Interner Polizei-Bericht zum Anschlag in Berlin - Fahndung nach Amri kam viel zu spät"

(rbb-online exklusiv, 15.09.17 | 14:36 Uhr)

 

"Attentäter von Berlin - Sonderermittler bestätigt Aktenmanipulation im Fall Amri"

(rbb-online, 03.07.17 | 20:12 Uhr)

 

(alle zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

Jürgen Balitzki: Volksbühne Berlin (Deutschlandradio u.a.)

Der freie Hörfunkjournalist JÜRGEN BALITZKI hat für sein Langzeitprojekt seit 1995 über die Volksbühne Berlin keine Perspektive ausgelassen und neue Perspektiven geschaffen. Er hat Frank Casdorf mit dessen Ensemble bei Gastauftritten in Moskau begleitet, Henry Hübchen bei der Arbeit porträtiert. Heiner Müller kommt zu Wort und Sophie Rois. Seine Features, gesendet in Deutschlandradio und ARD, entfalten eine ganz eigene kreative Kraft und werden selbst zum kleinen Kunstwerk.

 

Linktipp:

 

"Demontage des Räuberrads - Die letzten Monate der Ära Castorf"

(Feature, Deutschlandfunk.de, 21.07.2017, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

Kai Biermann: NSA-Untersuchungsausschuss (ZEIT ONLINE)

KAI BIERMANN hat für ZEIT ONLINE untersucht, was es zum NSA-Untersuchungsausschuss zu untersuchen gab: nicht nur seinen Gegenstand, sondern auch den Ausschuss selbst, seine Frager und die staatlichen Antagonisten. Seine Zugänge sind mal handelnde Personen, mal eine umstrittene Software oder Ergebnisse der eigenen Recherchen. So wird ein Stück Zeitgeschichte dokumentiert, in dem die internationale Arbeit von Geheimdiensten unter den Bedingungen der Digitalisierung neu zu bewerten war.

 

Linktipps:

 

"Was der NSA-Ausschuss erreicht hat und was nicht"

(ZEIT ONLINE, 28.06.2017, 8:50 Uhr, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

Themenseite "NSA-Untersuchungsausschuss" bei ZEIT ONLINE

 

ZEIT-ONLINE-Profilseite von Kai Biermann

 

 

Irène Bluche: Teenagermutter Mandy aus Berlin-Hellersdorf (rbb Kulturradio)

IRÈNE BLUCHE begleitet die Teenagermutter Mandy aus Berlin-Hellersdorf seit ihrer Schwangerschaft. Mittlerweile ist deren Sohn Jonny neun Jahre alt. Ein- bis zweimal im Jahr sendet das rbb Kulturradio ihre Features. Bluche spricht bei ihren Treffen in Hellersdorf auch mit Erziehern, Lehrern, Freunden, Therapeuten, Trainern und gibt so differenzierte Einblicke in die Welt hinter den Statistiken und Schlagzeilen von Teenagerschwangerschaften.

 

Linktipp:

 

Alle Folgen im Podcast: "Langzeitreportage - Mandy – ein Leben als Teenagermutter"

 

"Liebe, Therapie und Jugendamt: Alltag bei Teenagermutter Mandy und Sohn Jonny"

(rbb Kulturradio, 20.06.2017 | 19:04 Uhr, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)


 

Matthias Deiß: Drei Flüchtlinge in Deutschland (rbb/ARD)

Der rbb-Redakteur MATTHIAS DEIß hat »Drei Flüchtlinge in Deutschland« zwei Jahre lang für seine ARD-Dokumentation begleitet. Es gelingt ihm, in entscheidenden Momenten mit der Kamera dabei zu sein: beim Visumsantrag in der deutschen Botschaft Beirut wie bei einer Befragung im Asylverfahren. Er zeichnet nicht nur die unterschiedlichen Wege der Geflüchteten nach, sondern setzt sich auch gründlich mit den Folgen der deutschen Politik auseinander.

 

Linktipp:

 

"Mohammad Mustermann - Deutschland, deine Flüchtlinge"

(von ARD am 16.03.2017 bei Youtube veröffentlicht, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

Klaus Hillenbrand: Späte Ermittlungen gegen NS-Verbrecher (taz)

Der taz-Redakteur KLAUS HILLENBRAND begleitet seit langem späte Ermittlungen gegen NS-Verbrecher. Neben umfassenden Prozessberichten hat er viele eigene Recherchen vorangetrieben, lässt in seinen Texten Opfer über ihr Leid und Juristen über ihre Versäumnisse reden. Die Arbeit beeindruckt durch ihre Fülle,
durch Tiefe und das Interesse am Detail. Der lange Atem erweist sich auch daran, dass der Autor seine Berichte neben seiner Redaktionsarbeit als CvD verfasst.

 

Linktipp:

 

"Nach Terror graben: Wie der polnische Archäologe Wojciech Mazurek im früheren Nazi-Vernichtungslager Sobibor nach den Spuren von Opfern und Tätern sucht"

(taz, Nahaufnahme, 06.11.2017, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

"NS-Verbrechen in der Sowjetunion: Neue Ermittlungen gegen alte Nazis"

(taz.de, 29. 09. 2017, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

 

 

Martin Kaul: Langzeitbeobachtung politischer Großproteste (taz)

MARTIN KAUL schreibt als taz-Redakteur seit vielen Jahren und unter schwierigen Bedingungen über alle Formen des zivilgesellschaftlichen Protests. Seine Berichterstattung, jüngst etwa zum Hamburger G20-Gipfel, ist ebenso relevant wie originell. Die Live-Streams von taz-Kaul, wie er sich selbst bei Twitter nennt, verfolgten Tausende Zuschauer. Martin Kaul schreibt seit 2009 für das Blatt, begleitete zahlreiche Mai-Demonstrationen, Castor-Proteste, Stuttgart21 als Reporter und ist taz-Redakteur für Soziale Bewegungen und außerparlamentarische Politik.

 

Linktipps:

 

"Wie ein taz-Reporter mit seinem Handy-Livestream zum Leitmedium der Krawallnacht wurde"

(Meedia.de, 07.07.2017 | 13:05 Uhr, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

Profilseite mit Artikelsammlung von Martin Kaul auf der taz-Website

 

Karolin Schwarz: Fake News widerlegt (Blog hoaxmap.org)

Seit 2016 sammelt KAROLIN SCHWARZ mit ihrem Blog hoaxmap.de auf einer interaktiven Karte Gerüchte über Flüchtlinge und prüft diese auf ihren Wahrheitsgehalt – ehrenamtlich. Hauptberuflich ist sie mittlerweile Mitarbeiterin von Correctiv. Jenseits der Grundsatzdebatte, ob die Widerlegung von Fake News diese eindämmen kann und soll, hat die Vorjury der Hoaxmap als aufklärerischem Versuch, der mit Ausdauer und klarem Fokus betrieben wird, hohe gesellschaftliche Relevanz zuerkannt.

 

Linktipp:

 

blog.hoaxmap.org

 

Caroline Walter: Rechtsextremismus in der Bundeswehr (rbb Fernsehen)

CAROLINE WALTER recherchiert seit 2004 für das rbb Fernsehen über Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Ihre Berichte zeigen, wie zweifelhafte Traditionspflege im Umgang mit der Wehrmacht die Bundeswehr anfälliger macht für Rechtsradikalismus – und wie dieser vertuscht wird. Sie wies Wehrmachtspropaganda in Ausbildungsbüchern nach und Gedenkveranstaltungen gemeinsam mit Veteranen der Waffen-SS. Sie hat einiges bewegt. Ein Jagdgeschwader und Kasernen wurden nach ihrer Berichterstattung umbenannt.

 

Linktipps:

 

"Rechtsextreme Umtriebe und Wehrmachtstraditionen: Hat die Verteidigungsministerin versagt" (Magazinbeitrag "Kontraste" vom 01.06.2017 | 21:45 Uhr, zuletzt aufgerufen am 10.11.2017)

 

rbb/ARD-Themenseite von Berichten aus den vergangenen Jahren "In eigener Sache - Berichterstattung über Rechtsextremismus und unselige Wehrmachtstraditionen in der Bundeswehr"

 

 

1. Reihe v.l.: Klaus Hillenbrand (Foto: Detlef Werth), Irène Bluche (Foto: privat), Martin Kaul (Foto: privat)
2. Reihe v.l.: Karolin Schwarz (Foto: Andi Weiland), Gruppenfoto des Bewerber-Teams Norbert Siegmund, Jo Goll, Susanne Katharina Opalka, Ulrich Kraetzer, Sascha Adamek (Foto: privat), darunter Matthias Deiß (Foto: Oliver Ziebe)
3. Reihe v.l.: Jürgen Balitzki (Foto: Kristine Balitzki), Kai Biermann (Foto: ZEIT ONLINE), Caroline Walter (Foto: privat)

 

 

 

Zur Verleihung in der Akademie der Künste am Pariser Platz kamen mehrere hundert Gäste aus den Bereichen Medien, Kultur, Wirtschaft und Politik. Ehrengast war diesmal Günter Wallraff. Alex Berlin hat die Veranstaltung live im TV und im Netz übertragen und wird das Videomaterial zur Verfügung stellen. #LangerAtem2017

Der Jury gehören an: Dagmar Engel (DW; Vorsitzende), Ilka Brecht (ZDF), Stephan-Andreas Casdorff (Der Tagesspiegel), Georg Löwisch (taz), Hannah Suppa (Märkische Allgemeine), Dagmar Rosenfeld (Welt/N24), Christoph Singelnstein (rbb) und Jochen Wegner (ZEIT ONLINE).