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Die Nominierungen 2018

Adrian Bartocha, Olaf Sundermeyer, Jan Wiese (rbb): Kriminelle Clans in Berlin

 

Seit Jahren beschäftigen sich ADRIAN BARTOCHA, OLAF SUNDERMEYER und JAN WIESE (rbb Kontraste) mit Strukturen im Berliner kriminellen Milieu. Sie tauchen ein in Parallelwelten, zu denen der Zuschauer sonst keinen Zugang hat, und bringen die Protagonisten zum Sprechen. Die Darstellung ist spannend, aber fern  von Sensationsberichterstattung. Die Autoren sprechen unangenehme Wahrheiten aus, auch wenn dabei Klischees bisweilen bestätigt werden. Sie ergründen Ursachen für aktuelle gesellschaftliche Spannungen.

 

Oliver Fischer, Martin Küper, Anja Meyer (Märkische Allgemeine): Das Leben der Yassins - Begleitung einer syrischen Flüchtlingsfamilie

 

OLIVER FISCHER, MARTIN KÜPER und ANJA MEYER haben  es in der Märkischen Allgemeinen Zeitung fertig gebracht, zwei Jahre lang der syrischen Flüchtlingsfamilie der Yassins Gesicht und vor allem Stimme zu geben. Wer anfängt, diese Reportagereihe  zu lesen, kann nicht mehr aufhören. Woche für Woche dürfen  die Leserinnen und Leser teilhaben an Ängsten, Hoffnung, Leid  und Liebe dieser Familie. Die AutorInnen schreiben lebendig,  menschlich, werden aber nicht gefühlig, urteilen nicht. Bei allem journalistischen Engagement.

 

Florian Flade (WELT): Recherchen zu Anis Amri

 

Seit dem 19. Dezember 2016 recherchiert und berichtet der  Redakteur FLORIAN FLADE in WELT und WELT am Sonntag  zum Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz. Er liefert tiefe,  investigative Einblicke in den Fall Anis Amri. Er zeigt das Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden, deckt bislang Unbekanntes  auf. Deutlich in der Analyse und professionell in der Quellenlage. Dass er sich nicht in unbelegten Mutmaßungen verliert, ist in  Zeiten von Verschwörungstheorien auch gegen staatliche Behörden nicht selbstverständlich.

Stefan Jacobs (Tagesspiegel): Verkehrssicherheit in Berlin

 

Man könnte sagen: STEFAN JACOBS macht im Tagesspiegel  doch nur seinen Job: Er berichtet über Verkehrssicherheit in Berlin. Das stimmt. Aber wie er das macht, ist etwas Besonderes. Er hat dazu beigetragen, dass das Thema breit diskutiert wurde, lange bevor Rot-Rot-Grün es auf die Agenda hob. Er schreibt pro Fußgänger und Radfahrer, blendet andere Argumente aber nicht aus. Er berichtet, informiert, gestaltet Aktionen wie den »Gefahrenmelder« mit und gibt alltagstaugliche Empfehlungen.  Das ist nicht spektakulär, aber nah dran an den Menschen – und damit sehr guter Lokaljournalismus.

Volkmar Krause (Märkische Allgemeine): Der Nachwende-Kampf der Brandenburger "Altanschließer"

 

Seit zehn Jahren berichtet VOLKMAR KRAUSE in der Märkischen Allgemeinen mit unaufgeregter Sachlichkeit über einen komunalen Streit zu Lasten vieler tausender Brandenburger und Brandenburgerinnen. Mehrere tausend Euro sollten sie auch für solche Grundstücke zahlen, die vor 1991 in Eigeninitiative an die öffentliche Wasserversorgung und -entsorgung angeschlossen wurden. In vielen dutzend Artikeln hat Volkmar Krause über den Streit und Gerichtsverfahren zwischen Bürgern, Kommunen und Land berichtet. Momentan geht es um die Rückzahlung bereits gezahlter rechtswidriger Beiträge. 

Konrad Litschko, Steffi Unsleber (taz): Die Terroranschläge von Freital

 

Als »Bürgerwehr« zog die »Gruppe Freital« offen durch die sächsische Stadt, doch in Wahrheit hatte sich dahinter längst eine rechtsterroristische Vereinigung formiert, die Angst und Schrecken unter Asylbewerbern verbreitete. KONRAD LITSCHKO und STEFFI UNSLEBER von der taz haben frühzeitig die Fährte aufgenommen und Parallelen zum NSU-Terror herausgearbeitet. Mit Ausdauer drangen sie tief in das lokale Geschehen ein, sprachen mit Betroffenen und Angehörigen und beleuchteten mit Engagement und in sachlicher Sprache ein fremdenfeindliches Umfeld, in dem Anschläge und Übergriffe verharmlost wurden.

Thorsten Metzner (PNN/Tagesspiegel): Der BER: kleine Fortschritte, große Rückschritte

 

»Kleine Fortschritte – große Rückschritte« lautet das Resumée zum BER von Tagesspiegel-Redakteur THORSTEN METZNER. Eng dran geblieben sind über die Jahre wenige Berichterstatter –  wegen des immensen Zeitaufwands und der schieren Trostlosigkeit dieses Milliardenskandals. Metzner ist einer von jenen, die kaum eine Gremiensitzung verpassten und über die Jahre selbst zu Flugverkehrsexperten wurden. Immer wieder macht er anschaulich, was schier unbegreiflich ist. In einem Stück schildert er, was seine Kinder vom BER halten: Die wollen, dass das Ding endlich fertig wird und ihr Vater wieder mehr Zeit für sie hat.

Petra Pinzler, Günther Wessel (ZEIT u.a.): Ein Jahr lang grün leben - Selbstversuch einer Familie

 

Ein Jahr lang grün leben: PETRA PINZLER und GÜNTHER WESSEL haben gemeinsam mit Sohn und Tochter ihre private Klimabilanz errechnet und sich im Selbstversuch ein Jahr lang als »Klimaretter« versucht. Leser wie Hörerinnen, von ZEIT über Deutschlandfunk bis zu einem Sachbuch (»Vier fürs Klima«), können jetzt verstehen, wie wir uns mit Plastikvermeiden und Mülltrennen selbst betrügen, wenn wir zugleich immer mehr Flüge buchen. Und warum grüne Technologie allein das Problem nicht lösen wird. Sich grün fühlen, ohne das eigene Verhalten zu  ändern: eine bequeme Illusion.

Christoph Rosenthal, Caroline Walter (rbb): Ätzende Alternativmedizin: Das Geschäft mit dem "Wundermittel" MMS

 

CHRISTOPH ROSENTHAL und CAROLINE WALTER recherchieren für den rbb seit mehr als vier Jahren zu der gefährlichen Alternativmedizin MMS. Quacksalber machen unerfüllbare Heilungsversprechen und bringen ihre An- hängerInnen dazu, sich und ihren Kleinkindern Chlordioxid zu verabreichen – um mit dem Vertrieb Geld zu verdienen. Mit ihren Fernsehbeiträgen klären die Autoren über die sektenartige Szene auf und konfrontieren untätige staatliche Stellen damit. Erschreckende Aufnahmen mit verdeckter Kamera: Scharlatane und niedergelassene Ärzte empfehlen das als Medikament nicht zugelassene MMS ihren Patienten - sogar gegen Krebs.