3. Mentoringprogramm

Abschluss des 3. Mentoringprogramms im Tagesspiegel

Foto: Stefan Bolz
Foto: Stefan Bolz
Foto: Stefan Bolz

Mit einem Plädoyer für Leidenschaft und Qualität ist die dritte Runde des JVBB-Mentoringprogramms zu Ende gegangen. Am 18. Juni trafen sich Mentoren und Mentees in den Räumen des Tagesspiegel und diskutierten mit Chefredakteur Lorenz Maroldt und MAZ-Redakteur Ulrich Wangemann.


Nach einer internen Auswertungsrunde ging es in einer Runde, die von Mirjam Stegherr, Moderatorin des JVBB-Mentoringprogramms, moderiert wurde, um die Frage „Wie kann ich heute ein guter Journalist werden und bleiben?“ Lorenz Maroldt fand klare Worte: „Ein Journalist braucht Leidenschaft, Neugier und die Bereitschaft, sich darauf einzustellen, dass alles immer wieder neu ist.“ Als Chefredakteur bemühe er sich, seinen Mitarbeitern auch Möglichkeiten für ungewöhnliche Recherchen zu geben. Die Zeit dafür müsse man sich selber nehmen, sagte Ulrich Wangemann. Für seine Recherchen über den millionenschweren Betrug des Hotelbetreibers Axel Hilpert am Schwielowsee erhielt er 2011 den JVBB-Preis „Der lange Atem“. Ein Tipp von beiden: Sucht euch Vorbilder im eigenen Umfeld. Sowohl Lorenz Maroldt als auch Ulrich Wangemann haben davon profitiert, dass es Kollegen gab und gibt, die Texte redigieren und sie in ihrer journalistischen Arbeit bestärken.

 

Eine Anregung vor allem an die Mentees, auch über das zu Ende gehende Programm hinaus, Mentoren zu finden. Die Moderatoren Stefan Boltz und Mirjam Stegherr suchen schon jetzt nach geeigneten Kandidaten für einen 4. Jahrgang im JVBB-Mentoringprogramm. (25.6.2012, Frauke Adesiyan)

Länger aushalten als der Gegner – Werkstattgespräch mit Journalisten mit langem Atem

Qualitätsjournalismus braucht Mut, Sorgfalt und Beharrlichkeit – aber auch entsprechende Arbeitsbedingungen. Das wurde beim Werkstattgespräch „Länger als der Gegner aushalten – Journalisten mit langem Atem“ deutlich. Nadja Klinger, erste Preisträgerin des JVBB-Journalistenpreises „Der lange Atem 2011“, und Andreas Halbach, einer der Nominierten, gaben Einblick in ihre journalistische Arbeit.
 

Das Werkstattgespräch am 7. Dezember hatten Mentees des JVBB-Mentorenprogramms initiiert. Die freie Journalistin und Buchautorin Nadja Klinger schrieb zahlreiche Reportagen und ein Buch über Armut in Deutschland, über Hartz IV-Empfänger, Alleinerziehende, Familien. Ihre Texte erschienen vor allem im „Tagesspiegel“. Andreas Halbach arbeitet für das ZDF-Magazin „Frontal 21“ und deckte zusammen mit seinem Co-Autor Christian Rohde über Jahre hinweg auf, wie ein Netzwerk aus international agierenden Müllschiebern in Ostdeutschland Millionengeschäfte auf Kosten der Umwelt gemacht hat.

Jeweils ein Beispiel gab einen kurzen Einblick in die Arbeit der beiden Journalisten.

Die anschließenden Fragen an die beiden drehten sich vor allem darum, aus welcher Motivation heraus und unter welchen Bedingungen sie arbeiten.

Das Thema Armut hatte Nadja Klinger nicht bewusst gewählt. „Bei der Suche danach, was in unserem Land los ist, sind immer wieder Armutsgeschichten entstanden.“ Ihre Motivation war die Suche nach Wahrhaftigkeit und der Wunsch, „denen eine Stimme zu geben, die keine haben“. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass am Ende nie das in einem Text stand, was sie am Anfang einer Recherche gedacht hat.

Bei Andreas Halbach führte der Hinweis eines Whistleblowers, dass in Ostdeutschland illegal Müll verklappt wird, dazu, dass er „hinter diese Story steigen“ wollte. In drei Jahren sind so acht Beiträge für „Frontal 21“ entstanden, die einen der größten Umweltskandale der vergangenen Jahre aufdeckten, einige Köpfe rollen ließen und Strafverfahren in Gang brachten.

Für diesen investigativen Journalismus braucht man eine große Portion Standfestigkeit und Chuzpe – und das nicht nur, um Minister oder Ministerpräsidenten, die offizielle Interviewanfragen ablehnen, abzupassen und vor laufender Kamera mit Rechercheergebnissen zu konfrontieren. Denn Halbach hat für seine kritischen Geschichten nicht überall so viel Lob bekommen, wie jetzt beim ZDF. Die Zeitung, für die er zuvor als Lokalreporter gearbeitet hatte, musste er verlassen, da es Schwierigkeiten mit den Anzeigenkunden gab. Doch er gibt zu, dass sich diese Beharrlichkeit nicht jeder leisten kann. „Mit einer Familie und einem Hauskredit hätte das bei mir wohl auch anders ausgesehen. Heute sieht er sich in gewisser Weise privilegiert: „Ich gehöre zu den rund 50 Leuten in Deutschland, die im investigativen Bereich die Mittel haben, die sie brauchen.“ Trotzdem braucht er starke Nerven. Ein Unternehmen droht ihm mit einer Schadenersatzklage über 450.000 Euro. Seit ein, zwei Jahren versuchten Unternehmen auf diese Weise, Autoren einzuschüchtern.

Auch Nadja Klinger sagt: „Streit gab’s total viel.“ Sowohl mit Redaktionen über Texte und Auffassungen als auch mit Interviewten, die zunehmend Einfluss auf die Texte nehmen wollen. Man brauche Standfestigkeit und ein gewisses Renommee, um nicht gängige Klischees zu bedienen. Ihre auf den ersten Blick oft unspektakulär wirkenden Themen brachte sie unter, da sie sich über Jahre das Vertrauen von Redaktionen erarbeitet hatte. „Da wollte jemand meine Art, auf die Welt zu schauen und die Worte, die ich dafür finde.“

Den Preis „Der lange Atem“ bekam Nadja Klinger in einem Moment, in dem sie sich bereits von ihrer bisherigen Tätigkeit als Zeitungsreporterin abgewandt hatte. Der Grund dafür waren die Arbeitsbedingungen, unter denen es ihr immer weniger möglich erschien, den Protagonisten gerecht zu werden.
Annette Bräunlein

Startschuss für das 3. Mentoringprogramm

Foto: D. Falk

Das Mentoringprogramm des JVBB geht in die dritte Runde. Am 5. Juli 2011 trafen sich die neuen Tandems in der Geschäftsstelle des JVBB, um das gemeinsame Jahr offiziell einzuläuten. Aus den über 30 Bewerbungen hat der Verband zehn Kandidaten herausgefiltert, die erste Berufsschritte erfolgreich absolviert haben und sich jetzt mit dem Mentoringprogramm festigen und weiterentwickeln wollen. Im Vergleich zu den Vorjahren gab es bei den Bewerbern 2011 einen Schwerpunkt im Bereich TV, der sich auch bei den aktuellen Mentees und Mentoren widerspiegelt. Das Interesse am Online-Journalismus ist hingegen zurückgegangen.

Bei der Auftaktveranstaltung tauschten sich die anwesenden Mentees und Mentoren zusammen mit dem Vorstand und den Moderatoren des Programms über ihre Ziele, die Möglichkeiten und die Struktur des kommenden Jahres aus. Annette Rogalla gab professionelle Hilfestellung für die individuelle Zielvereinbarung, die am Anfang des Mentoringprogramms steht. In einem nächsten Schritt werden sich die Mentees untereinander treffen und gemeinsam Projekte für den Verband vorantreiben. Im Mittelpunkt der kommenden zwölf Monate stehen aber die Vier-Augen-Gespräche der jeweiligen Tandems.