Verbandstag 2015

Ein neuer Vorsitzender und Debatten über Kreative, Quoten und Stasi

Warten gespannt auf das Wahlergebnis: Alexander Fritsch (JVBB) und Frank Überall (DJV NRW), Foto: Frank M. Wagner
Ein Teil der JVBB-Delegation: Petra Hannen, Jana Lavrov, Jörg Harder, Foto: Frank M. Wagner

Der DJV hat einen neuen Bundesvorsitzenden. Der bisherige Schatzmeister Frank Überall entschied die Wahl am Montag knapp für sich. Mit 130 Stimmen siegte er gegen den JVBB-Vorsitzenden Alexander Fritsch, der 118 Stimmen erhielt. Nach der Wahl kündigte Überall an, er werde sich mit aller Kraft für die wachsende Zahl an Freien im DJV einsetzen. Vor allem wünsche er sich „mehr Wertschätzung für den Journalismus“. Fritsch betonte, er hoffe sehr, dass sein „persönlicher Freund Frank überall jetzt den Rückhalt bekommt, den er braucht, um den DJV zu reformieren“. Fritsch hatte bereits zuvor angekündigt, als Landesvorsitzender des JVBB auf der Mitgliederversammlung am 2. Dezember nicht wieder zu kandidieren.

Ein erstes programmatisches Interview hat der neue DJV-Vorsitzende dem NDR-Medienmagazhin ZAPP gegeben: VIDEO (Zapp).

Inhaltliches Top-Thema des Verbandstages #djv2015 in Fulda war die Verbesserung der sozialen Situation der Medienschaffenden. Dazu beschlossen die rund 280 Delegierten einstimmig die „Fuldaer Erklärung“, in der die politisch Verantwortlichen in Land und Bund aufgefordert werden, sich mit Nachdruck für die Kreativen einzusetzen (-> zur Erklärung)

Einstimmig nahm der Verbandstag eine Resolution des JVBB an: Darin wird der Tagesspiegel aufgefordert, das zeitweise Beschäftigungsverbot für freie Journalisten rückgängig zu machen (Hier der Antrag im Wortlaut). Darin heißt es, Geschäftsleitung und Chefredaktion dürften ihre verlegerische Strategie nicht durch betriebswirtschaftliche Kurzatmigkeit ersetzen.

Die bereits beim letzten Verbandstag intensiv diskutierte „U40-Quote“, nach der künftig mindestens ein Fünftel der Delegierten unter 40 Jahren alt sein soll, wurde von der notwendigen Zweidrittelmehrheit angenommen. Ebenso die Forderung einer Frauenquote von einem Drittel.

Die Wahl des neuen DJV-Vorsitzenden war von einigen technischen Schwierigkeiten begleitet: Nachdem die elektronischen Abstimmungsgeräte bei einer Handvoll Delegierter offenbar nicht die vorgesehene Bestätigung der Stimmabgabe anzeigte, musste Tagungspräsidentin Mechthild Mäsker das Abstimmungsverfahren nach drei vergeblichen Versuchen zur klassischen Variante mit Wahlzetteln zurückkehren. Auf diese Weise wurden dann auch die weiteren sechs Mitglieder des Bundesvorstands gewählt, darunter als Beisitzerin Sabine Prokscha. Sie war bis zu ihrem familiär begründeten Umzug nach Bayern Anfang dieses Jahres stellvertretende Vorsitzende des JVBB. Der neue Bundesvorstand im Überblick: HIER.

Am Dienstagmittag stand dann das Thema „Stasi-Verstrickungen“ auf dem Plan der delegierten Verbandsmitglieder. Ausführlich und in ruhig-sachlicher Atmosphäre diskutierten sie über die jüngst im Verband aufgetretenen sieben Fälle, bei denen derzeit eine Zusammenarbeit von heutigen DJV-Funktionären mit der DDR-Staatssicherheit geprüft wird und teilweise bereits zugegeben wurde bzw. nachgewiesen werden konnte. In ihrem Antrag fordern die Delegierten den Bundesvorstand auf, „die Verstrickungen von Journalistinnen und Journalisten in Ost und West in die Machenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Zusammenarbeit mit zuständigen Einrichtungen zu prüfen und deren unabhängige und wissenschaftliche Aufarbeitung anzustoßen“.

Darüber hinaus verabschiedeten die Delegierten unter anderem eine Resolution gegen Tarifflucht sowie eine Erklärung, die sich gegen Angriffe auf Journalisten durch Rechtsextremisten und Demonstranten richtet.

Der JVBB war auf dem Verbandstag in Fulda mit 12 Delegierten vertreten, die von der Mitgliederversammlung im vorletzten Jahr gewählt worden waren.

Frank M. Wagner