Fachforum Internationales

Das Fachforum Internationales unterstützt seine Mitglieder bei der Recherche und Berichterstattung zu Europa und Themen mit Europabezug. Weiter ausgebaut werden soll die Zusammenarbeit mit in Deutschland und vor allem in Berlin lebenden und tätigen ausländischen Journalisten und Korrespondenten.

Vorsitzende

Annette Streicher
europa@jvbb-online.de

stv. Vorsitzende

Gabriele Lauermann

stv. Vorsitzender

Boris Quatram

stv. Vorsitzender

Christoph Wöhrle

Vita Annette Streicher

Annette Streicher ist Rundfunkjournalistin in Berlin, arbeitet vorwiegend für das ZDF Morgenmagazin, den crossmedialen Polit-Talk „log in“ und als freie Hörfunkautorin und Sprecherin. Nach dem Studium in München (Diplom-Journalistik, Politikwissenschaft, Soziologie, Theaterwissenschaft) hat es die Bonnerin – nach Abstechern nach Stockholm und London für einen Master of Arts Fernsehdokumentation - wieder in die Hauptstadt verschlagen. Inhaltlich hat sie ein Faible für Kunst, Kultur und kontroverse Debatten, geografisch für Nord- und Osteuropa. Zweite Vorsitzende des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung n-ost. 

Vita Gabriele Lauermann

Gabriele Lauermann ist Diplom-Journalistin (Stuttgart), hat außerdem einen MA in Amerikanistik & Romanistik (LMU München) und in London ein MBA-Studium absolviert. Gerechte Handels-beziehungen, Nachhaltigkeit und sozialer Wandel umreißen ihr Themenfeld. Zuhause ist sie in diesem sowohl als Pressesprecherin als auch als Lektorin und freie Journalistin - anfänglich bei ARD und ZDF. Seit kurzem aus Frankreich in Berlin zurück, zielt sie heute auf die freie Mitarbeit bei Zeitschriften wie „Cicero“. Vier Sprachen, lange Arbeitsaufenthalte in sechs europäischen Ländern und Lust zum kollegialen Engagement bringen sie zum FF Internationales.

Vita Boris Quatram

Boris Quatram ist freier Fernsehjournalist in Berlin. Er arbeitet vorwiegend für ZDF, ZDFneo, 3sat, rbb und BR. Schon während des Studiums der Politischen Wissenschaft, Germanistik und Soziologie war er für den WDR und den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix tätig. Nach einigen Stationen im diplomatischen und politischen Bereich entschied er sich dann endgültig für das Fernsehen. Zu seinen Filmen zählen über 30 Reportagen und Dokumentationen sowie Beiträge für Polit- und Kulturmagazine wie Frontal21 (ZDF) und Bauerfeind (3sat). Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gesellschaft, Kultur und Politik.

Vita Christoph Wöhrle

Christoph Wöhrle ist freier Journalist in Hamburg und Berlin. Er arbeitet vor allem für Magazine, unter anderem gehörten schon Stern, Focus, Mare, Playboy, Brigitte, National Geographic, Brand Eins und Reportagen zu seinen Auftraggebern. Studiert hat er an der HU Berlin (Neuere deutsche Literatur, Soziologie, Politikwisschenschaft) und an der UFBA in Salvador, Brasilien. Während des Studiums war er Stipendiat bei der Stiftung der deutschen Wirtschaft und der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sein Volontariat machte er an der Berliner Journalistenschule. Er schreibt vor allem Reportagen und Porträts, kennt sich in Brasilien und dem Westen der USA gut aus.

Aktuelles aus dem Fachforum Internationales

Veranstaltungen (Archiv)

Mai 2014: Brüssel unter drei - JVBB-Reise vor der Europawahl

Kleines Plenum internationaler Journalisten zur Medien-Kampagne vor der Europa-Wahl; Foto: Norbert Kesten
Europas Spitzen-Grüne Franziska 'Ska' Keller fordert im Wahlkampf das Establishment heraus, Foto: Annette Streicher
Kollegen des JVBB und DJV Berlin im Gespräch mit der SPD-Europa-Abgeordneten Birgit Sippel; Foto: Annette Streicher

Am April 2014 lud der Fachausschuss Europa 18 Journalisten des JVBB und DJV Berlin zu einer Reise nach Brüssel ein. Anlass war die anstehende Europawahl am 25. Mai. Vor Ort fanden (Hintergrund-)Gespräche zu Aufgaben und Arbeitsweise von Parlament und Kommission sowie zu den großen aktuellen Fragestellungen der EU-Politik statt.

Vier Tage lang, vom 8. bis 11. April 2014, hatten Kollegen mit Arbeitsschwerpunkt Politik-Berichterstattung und Europa die Chance, das politische Herz der EU kennenzulernen. Sie sprachen dazu mit nationalen EU-Abgeordneten, Sprechern von Kommissaren und Ressortverantwortlichen. Zudem tauschten sie sich mit Kollegen über Fragen der Berichterstattung aus. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Medien-Kampagnen im Europa-Wahlkampf, aktuelle Herausforderungen in der Erweiterungspolitik, die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine, das geplante Freihandelsabkommen TTIP sowie die Migrations- und Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Abgerundet wurde das Programm mit einem Besuch der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bei der EU.

Für die freundliche Unterstützung dieser Reise durch das Europäische Parlament und die Europäische Kommission bedanken wir uns sehr herzlich!

Annette Streicher (Fachausschuss Europa im JVBB)

 

 

Nachfolgend der Reise-Bericht von Teilnehmerin und Rundfunk-Journalistin Marie Wildermann.

---

Das Herz der EU

Eindrücke von einer Journalistenreise nach Brüssel vom 8.-11.4. 2014

von Marie Wildermann

Brüssel im Wahlkampffieber. Im Parlamentsviertel werden Journalistengruppen aus verschiedenen EU-Ländern durch Konferenzräume, Infoveranstaltungen und Vorträge geschleust. Auch unsere Gruppe, Kolleginnen und Kollegen des Berliner Journalistenverbandes und des DJV, Festangestellte und Freelancer für TV, Hörfunk und Print. Vier Tage lang bekommen wir in Brüssel Nachhilfe in Sachen Europa. Basics zur Wahl, zum Parlament, zu Kommissionen und Kandidaten. Und immer wieder Gespräche über das große Experiment EU: Gibt es eine Vision von Europa, jenseits von Binnenmarkt-Pragmatismus und Währungsunion? Wo schlägt das Herz der Europäischen Union? Am Parlamentssitz? In der Brüsseler ‚Rue de la Loi’?

Prinzipien, Grundlagen

Die neue Generation der EU-Mitarbeiter ist gut ausgebildet, hat mindestens ein Studium absolviert und spricht vier oder fünf Sprachen fließend: ideale Verkörperung der EU-Idee oder eine neue Elite, die mit dem normalen Leben eines EU-Bürgers so wenig in Berührung kommt wie Angela Merkel mit dem Kantinenwirt des Bundestages. Die osteuropäischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter scheinen besonders idealistisch und EU-enthusiastisch. Ein junger Slowake beginnt sein Thema, die EU-Erweiterung, in perfektem Französisch, wechselt dann in nahezu fehlerfreies Deutsch. Leidenschaftlich und engagiert, aber nicht unkritisch, beantwortet er unsere Fragen zur EU-Erweiterung. Nach heutigen Maßstäben, sagt er, hätten Bulgaren und Rumänen keine Beitritts-Chancen. Wer ist überhaupt zugelassen zum europäischen Club der 28 Mitgliedsstaaten? Jedes Land, das „in Europa“ liege, könne einen Mitgliedsantrag stellen. Georgien, trotz kaukasischer Entfernung, hat gerade an die EU-Tür geklopft. Und wie ist das mit der Türkei? Ein Beitrittskandidat durchlaufe 35 Verhandlungskapitel, erklärt unser Gesprächspartner, darunter Grundrechte, Finanzen, Rechtsstaatlichkeit und so weiter. Die Verhandlungen mit der Türkei seien bei Kapitel zwei.

Syrische Flüchtlinge

Am Abend bei einem Essen mit Journalisten aus anderen EU-Staaten haken die EU-Pressereferenten nach, warum die Beteiligung an der Europawahl in den Nationalstaaten so gering ausfallen werde, wie überall prognostiziert würde. Das Los will, dass ich zwischen griechischen und italienischen Kollegen sitze. Die europäische Flüchtlingspolitik wird Thema des Abends. Italien, beklagt sich eine italienische Kollegin, werde allein gelassen mit den afrikanischen Migranten, die wöchentlich übers Mittelmeer kommen oder nie ankommen. Beides ein Drama. Auch für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge solle die EU sich stärker engagieren. Mit diesem Vorwurf sieht sich der Menschenrechtsausschuss immer wieder konfrontiert, wie die beiden smarten Referenten am nächsten Tag bei einer Info-Veranstaltung zu Syrien berichten. Auf die Kritik sind sie gut vorbereitet. Flüchtlinge blieben lieber in geografischer Nähe zur Heimat, sagen sie, und projizieren eine Karte mit den syrischen Nachbarländern an die Wand: Jordanien eine Million Flüchtlinge, Libanon weit über eine Million, Türkei mehr als 600 000. Die EU würde zwar nur wenige Bürgerkriegsflüchtlinge aufnehmen, sei aber der weltweit größte finanzielle Unterstützer der Flüchtlingscamps in den Nachbarstaaten Syriens.

Gurkenverordnung

Brüssel als Mega-Behörde, deren Beamte in überbordendem Normierungswahn selbst die banalsten Dinge regulieren – dieses Image klebt an Brüssel wie Kleister. Die Presseabteilung in der Ständigen Vertretung Deutschlands führt eine Hitliste der schlimmsten Brüsseler Verfehlungen, wohl um zu zeigen: Seht her, diese Kinderkrankheiten sind überwunden. Auf Platz 1: Die Gurkenverordnung, die 20 Jahre lang festlegte, wie viele Millimeter maximal die Krümmung einer idealen EU-Gurke maximal betragen darf. Mit der Gurkenkrümmungsverordnung ließ sich jahrzehntelang trefflich über den Brüsseler Normierungsirrsinn spotten. 2009 wurde sie abgeschafft.

Der Hang zur EU-weiten Regulierung könne aber nicht allein den EU-Beamten angelastet werden, sagt der Pressereferent, vieles komme aus den Mitgliedsstaaten, aus der Wirtschaft, von Verbänden.

Recherche und Interviews

Die Roadmap mit den offiziellen Terminen ist eng getaktet. Zeit für eigene Recherchen und Interviews müssen wir uns freischaufeln. Ganz in der Nähe unseres Hotels am Boulevard Charlemagne sitzt der „Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union“. Der Bevollmächtigte ist Oberkirchenrätin Katrin Hatzinger. Interviewtermin. Welche Sicht hat die Kirche auf Europa? Hat Religion einen Platz in Brüssel? In der EU gehe es nicht um Religion, sagt sie, sondern um Politik. Die Kirche helfe mit, Politik menschlich zu gestalten, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Je nach Thema finde die Kirche unterschiedliche Partner als Verbündete, um die Lebensbedingungen der Menschen in der EU zu verbessern.

Brüssel-Analphabeten

130 deutschsprachige Journalisten sind in Brüssel akkreditiert. Trotzdem wissen wir fast nichts. Nicht, wie Brüssel funktioniert. Nichts über das Verhältnis zwischen Nationalstaaten und EU, nichts über unsere Einflussmöglichkeiten als EU-Bürger. Die Materie ist, zugegeben, meistens kompliziert und wenig sexy. Und, Hand aufs Herz, wenn für eine Gesetzesinitiative 4000 (!) Änderungsanträge eingereicht werden, was schon vorgekommen ist, möchte man die wissen?

Neues Brüssel-Format

Dennoch: An der Brüssel-Berichterstattung muss sich etwas ändern, da bin ich mit meinem Kollegen d’accord, mit dem ich mich abends im Kitty O’Shea’s Pub neben unserem Hotel treffe. Unterhalten kann man sich hier nur schwer, weil immer mindestens auf 3 Leinwänden Fußball läuft. Aber wir wollen sofort und auf der Stelle eine neue Brüssel-Sendung aus der Taufe heben: ‚Inside Brüssel’, so der Arbeitstitel, soll nah dran sein an den Menschen. Über die Armee der Putzfrauen, die allmorgendlich durch Hunderte von Büros saugen. Über die 1.800 Übersetzer, die alles und immerzu in die 24 EU-Sprachen übersetzen - muss das sein, kann man sich nicht auf Englisch als Lingua franca einigen, was ohnehin schon alle sprechen? - Über die Security-Leute, die bei jedem, der ein EU-Gebäude betritt, ein Airport-Sicherheitsszenario in Gang setzen. Über Restaurants und Cafés, über Taxifahrer und Kellner, die alle von der EU leben. Und natürlich würden in unserer Sendung EU-Kritiker zu Wort kommen und Nichtregierungsorganisationen und investigative Journalisten, die sich mit der Frage beschäftigen, wer eigentlich Brüssel kontrolliert.

Sightseeing und belgische Pralinen

Auf unseren Sightseeing Touren entdecken wir Brüssel ohne EU, die obligatorischen Touristenziele: Atomium, Manneken-Pis, Grand Place, Magritte Museum, die Altstadt, das-haben-wir-in-Brüssel-gar-nicht-erwartet-so-eine-schöne-Altstadt! Und natürlich müssen wir noch belgische Pralinen einkaufen, gemeinschaftlich Pommes essen im Land der Pommes-Erfinder, am Place des Palais bei einem Espresso die warme Aprilsonne genießen, dem Brüsseler Treiben am Freitagnachmittag zuschauen, bevor wir uns in den Airport-Bus quetschen, der, wie es scheint, das halbe Parlament ins Wochenende befördert, vom Arbeitsplatz EU ins Zuhause, das woanders ist.

Nachtrag

Das TV-Duell der Spitzenkandidaten zur EU-Wahl am 15. Mai wird, wie Ende April bekannt wurde, nicht von ARD und ZDF übertragen, sondern vom Spartensender Phönix. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, hat das scharf kritisiert: "Es ist unverständlich, wie ARD und ZDF diesen wichtigen Beitrag im Vorfeld der anstehenden Europawahlen in den Spartensender Phoenix abschieben und stattdessen die Bundesliga und einen Familienfilm ausstrahlen. Nicht erst die Krise in der Ukraine und das momentan zwischen der EU und den USA verhandelte Freihandelsabkommen (TTIP) zeigen, von welch großer Bedeutung das Europäische Parlament ist. Das TV-Duell aller Spitzenkandidaten der Parteien wird eine der zentralsten Anlässe zur Entscheidungsfindung und Information der Wähler sein.