Fachforum Junge Journalisten

Viele suchen einen Weg in den Journalismus. Aber welcher ist der richtige? In den Debatten um Qualitätsoffensive und Branchenverfall möchte der Fachausschuss "Junge Journalistinnen und Journalisten" den Blickwinkel der neuen Generation einbringen. Mehr Qualität in der Ausbildung, mehr Rechte in der Anstellung und bessere Zukunftschancen für jeden Einzelnen - das sind Ziele der "Jungen". Aber auch Kompromisse und Alternativen müssen her, wo engstirnige Forderungen an der Realität scheitern. Der Fachausschuss bietet eine Plattform für alle Interessenten, vernetzt Branchenkenner und Nachwuchs und bringt sich ein, um Zukunft zu gestalten.

Vorsitzender


Karsten Wiedemann 
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Aktuelles aus dem Fachforum junge Journalisten

  • Die Fachausschüsse Junge des DJV Berlin und des JVBB besuchten das ZDF-Hauptstadtstudio. Im Anschluss an die Führung durch das Studio und die Regie sprachen die Teilnehmer bei einem Round-Table-Gespräch mit dem Moderator der...

Archiv: Veranstaltungsberichte

15.04.14: FA Junge bei Zeit Online

Annika von Taube (li.) erklärt die Zeit Online Community, Foto: Frank M. Wagner
Jana Lavrov (Vorstand JVBB) führt durch die Redaktion von Zeit Online, Foto: Frank M. Wagner

Als „Reality Check“ bezeichnet Annika von Taube, leitende Community-Redakteurin, die Leserkommentare auf Zeit Online. Die Community bei dem Online-Medium sind die Leser, die Artikel kommentieren, sich an Aufrufen und Debatten beteiligen und selbst Inhalte schaffen. Community heißt aber auch das Ressort, das Annika von Taube leitet.

 

Zu einem After Work Talk empfang sie die Mitglieder des Fachausschusses Junge Journalisten Mitte April in der Redaktion von Zeit Online am Askanischen Platz und berichtete über die Besonderheiten ihres Ressorts. In ihrem Team hat sie 14 Mitarbeiter, davon zwölf Moderatoren, einen Leserartikel- und einen Community-Redakteur. Durchschnittlich 20.000 Kommentare moderiert das Team jede Woche, achtet auf die Einhaltung der Netiquette, beobachtet Debattenverläufe, kommentiert, tritt in den Dialog mit Lesern, greift Anregungen auf und trägt sie in die Redaktion.

 

Die Community von Zeit Online ist in dieser Form einmalig in Deutschland, denn sie erstellt selbst Inhalte – nicht nur Kommentare, sondern auch Leserartikel, und sie beteiligt sich an Crowdsourcing-Projekten. Sie sei ein wichtiges Werkzeug, um herauszufinden, was die Leser von Zeit Online erwarten, welche Themen sie sich wünschen und wie sie sie bewerten.

 

„Ich freue mich immer, über meine Arbeit zu sprechen“, sagt Annika von Taube, „denn die Community ist ein sehr junges Thema, das für Medien zunehmend von Bedeutung sein wird.“ Die Aufgabe des Journalismus würde verstärkt darin liegen, Debattenverläufe zu evaluieren und in die Berichterstattung einzubinden. Annika von Taube sieht die Community eines Mediums als wichtigen Mediator zwischen Leserschaft und Redaktion. Und so war ihr Apell an die Teilnehmer des After Work Talks auch eindeutig: „Ihr werdet jetzt alle Community-Redakteure!“

 

Jana Lavrov 

Jana Lavrov als Vorsitzende des Bundesfachausschuss Junge gewählt

Jana Lavrov, Foto: Pavel Lavrov

JVBB-Vorstandsmitglied Jana Lavrov ist von den Mitgliedern des DJV-Bundesfachausschusses Junge Journalisten zur neuen Vorsitzenden gewählt worden. Zuvor war sie stellvertretende Vorsitzende. Jana Lavrov ist Online-Journalistin bei www.zeit.de und engagiert sich im JVBB vor allem im Bereich Online-Kommunikation und beim Mentoring-Programm. Im DJV-Fachausschuss Junge Journalisten organisieren sich die aktiven Mitglieder bis 35 Jahre. Jeder DJV-Landesverband entsendet ein Mitglied zu den regelmäßigen Treffen.

Und so präsentiert sich der FA Junge selbst:

„Wir helfen und beraten Euch bei Fragen zum Berufseinstieg, geben Tipps für das Praktikum, das Volontariat oder für den Sprung in die Selbstständigkeit. Wir organisieren Akademien und Journalistentage für junge Kolleginnen und Kollegen. Wir veranstalten Seminare, Workshops und Kamingespräche mit Journalisten, Politikern und Prominenten. Wir wollen ein Netzwerk unter Gleichgesinnten schaffen. Denn Ihr steht mit Euren Anliegen nicht allein, andere haben ähnliche Probleme und Wünsche. Ob Stammtisch oder Internet-Forum - der Austausch, die Kontaktpflege steht bei uns an erster Stelle. Gemeinsam machen wir uns stark für die Rahmenbedingungen des Berufs in der Zukunft.
Alle zwei Jahre organisieren wir für junge Journalistinnen und Journalisten die Tagung "24 Stunden Zukunft". Die nächste findet im Frühjahr 2015 statt. die Vorbereitungen laufen. wenn es Neues gibt, findet ihr das unter www.djv-24Stunden.de.“ 

08.01.14 - Zu Gast: Prenzlauer Berg Nachrichten

Juliane Wiedemeier (li.) sprach beim gemeinsamen FA-Junge Stammtisch des JVBB und des DJV-Berlin über Blogs, Foto: Alexander Czekalla

Am 8. Januar 2014 lud der FA Junge zum Stammtisch im "Blauen Band". Thema des Abends waren die Prenzlauer Berg Nachrichten. Redakteurin Juliane Wiedemeier berichtete den 22 Teilnehmern des Stammtisches über ihre Arbeit aus dem Berliner Kiez.
 
Die Prenzlauer Berg Nachrichten starteten vor vier Jahren - ohne großen Verlag im Hintergrund – als neues Online-Lokalangebot für Prenzlauer Berg.
 
Es gab dafür offenbar einen Bedarf, denn die Tageszeitungen haben ihre Büros in den Bezirken in den vergangenen Jahren fast alle geschlossen – aus Kostengründen. „Es fehlte einfach an Infoquellen über das Geschehen vor Ort“, sagt Juliane Wiedemeier, die selbst bei der Braunschweiger Zeitung volontiert hat. Sie traf 2010 auf Phillip Schwörbel, den Spiritus Rector der Prenzlauer Berg Nachrichten. Schwörbel arbeitete unter anderem für Bertelsmann und die Ufa, sowie für die Präsidentin der Humboldt-Viadrina, Gesine Schwan. Er finanzierte den Start des Projektes und sorgt bis heute für den Anzeigenverkauf.
 
Das Konzept bestand von vornherein darin, ein seriöses Angebot zu schaffen. „Wir sind kein Leserreporter-Portal“, stellt Wiedemeier klar. „Wir wollen Lokal-Journalismus mit Niveau machen.“ Das bedeutet vor allem eins: Auswählen und Gewichten. In einem Stadtteil mit 145.000 Einwohnern mangelt es nicht an Themen. „Wir können gar nicht alles aufgreifen“, sagt Wiedemeier. Einfach nur "Termine abreißen", will sie nicht. Der neue Zebra-Streifen an der Ecke schafft es daher eher nicht auf die Seite. Ziel der Redaktion ist es, jeden Tag eine neue, gut recherchierte Geschichte zu publizieren.
 
Ein paar Scoups sind der Redaktion dabei in der Vergangenheit schon gelungen, etwa die Geschichte über den Café-Besitzer, der einen Absperrpfosten vor seinem Eingang errichten ließ, damit Kinderwagen draußen bleiben. „Da sind dann auch andere Medien drauf aufgesprungen“, erzählt Wiedemeier.
Die Fangemeinde der Prenzlauer Berg Nachrichten wächst seit mehr als drei Jahren kontinuierlich. Mittlerweile hat die Seite 50.000 Besuche pro Monat. Social-Media spielt dabei eine große Rolle. Rund ein Drittel der Zugriffe kommt über die Facebook-Seite.
 
Finanziell kann sich das Magazin zumindest tragen. Gründer Schwörbel, Redakteurin Wiedemeier und eine weitere Journalistin gehören zum Team  - auf freier Basis. Für weitere Autoren oder Fotografen reicht das Budget nicht. Eine Expansion in andere Stadtteile ist zwar immer wieder ein Thema. Noch fehlt es aber dafür an Geld.
 
Die Finanzierung der Prenzlauer Berg Nachrichten ruht auf drei Säulen. Anzeigen, einem Partner-Programm, bei dem sich lokale Geschäfte präsentieren können und einem Freundeskreis. Leser zahlen hier einen kleinen Beitrag von 20 bis 60 Euro im Jahr. Vor allem das Partner-Programm und der Freundeskreis sorgen dabei für kalkulierbare Einnahmen.
 
Wiedemeier beobachtet mit Interesse, dass immer mehr lokale journalistische Angebote im Netz entstehen. In einigen Fällen, wie etwa bei den Ruhrbaronen in Dortmund, schließen diese bereits die Lücken, die nach der Schließung von Lokalredaktionen entstehen.
 
Offenbar verfängt die Idee, ein eigenes Magazin für die unmittelbare Umgebung zu starten, auch bei vielen Journalisten. Immer öfter werden Wiedemeier und Schwörbel gebeten auf Seminaren, etwa auf für den DJV,  über ihre Arbeit zu berichten und Tipps für den Start zu geben. (Karsten Wiedemann, 17.01.2014) 

28.01.13 - Crowdfunding: Chance für Journalisten

Krautreporter.de nennt sich eine Plattform, über die Journalisten die nötigen Gelder für ihre Projekte einwerben können. Wie genau das funktioniert und warum Sebastian Esser und Wendelin Hübner diese Plattform gegründet haben, darüber informierte am 24. Januar ein Stammtisch des Fachausschusses Freie, zu dem fast 20 Teilnehmer gekommen waren.
 
Am 29. Januar geht die Plattform Krautreporter.de online, ab dann können Journalisten dort Projekte ausschreiben und von Unterstützern Geld zur Finanzierung einwerben. „Crowdfunding“ heißt die Idee, die Sebastian Esser und Wendelin Hübner in Krautreporter.de umgesetzt haben. „Wir hatten den Eindruck, dass aufgrund der Medienkrise viele gute Geschichten nicht finanziert werden können. Damit wollten wir uns nicht abfinden“, erklärte Esser den Stammtisch-Teilnehmern. Also übertrugen sie das Konzept der US-Crowdfunding-Plattform spot.us in den deutschsprachigen Raum. Im Oktober begann die Programmierung der Internetseite, welche die beiden aus privaten Mitteln finanzierten. Ihre zukünftigen Einnahmen bestehen aus den fünf Prozent, die die Gründer von den erfolgreich über ihre Seite gestarteten Vorhaben einbehalten.
 
Unter den ersten Projekten ist eine Doku, in der die Autorin ihren Großvater vorstellt, und ein Buch über Taiwan. Beide Autoren stellen sich sowohl in Text als auch per Video vor. Wer die Projekte unterstützen möchte, kann ähnlich wie bei kickstarter.com, einer Plattform, die Kreativprojekte finanzieren hilft, aus verschiedenen Paketen auswählen. Wichtig: Das Geld wird nicht gespendet, denn der Unterstützer bekommt eine Gegenleistung. Diese kann in dem später vorliegenden journalistischen Produkt bestehen oder auch darin, in das Geschehen eingebunden zu sein, den Autoren beispielsweise bei einer Recherche begleiten zu dürfen. Crowdfunding hat also auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit: Der neue Finanzierungsweg bringt Autoren und Leser enger zusammen. „Wir wollen eine Community schaffen“, sagt Hübner. „Seit Jahren reden wir davon, dass Journalisten mit den Lesern in einen Dialog treten sollten. Hier passiert das schon, während die Geschichte entsteht.“
 
Für deutsche Ohren mag das Konzept noch gewöhnungsbedürftig klingen. Aber schon heute müssten sich freie Journalisten vermarkten. Crowdfunding sei eine zusätzliche Strategie, meint Esser. Via Crowdfunding verlagere sich der Zeitpunkt der Bezahlung nach vorne, und die Leute bezahlten nicht nur das Produkt, sondern dafür, Teil des Prozesses sein zu können. Das Interesse an neuen Arbeitsformen ist da. Das jedenfalls machte die rege Diskussion mit den Teilnehmern an diesem Abend deutlich. (Nils Franke, 28.1.2013)